Grundwasserbulletin
Die Grundwasserstände und Quellabflüsse liegen schweizweit im normalen bis tiefen Bereich. Die niederschlagsarmen Verhältnisse seit März und die extreme Hitze im Juni wirken sich besonders auf oberflächennahe Grundwasservorkommen aus. Infolgedessen sind dort die Tendenzen überwiegend fallend. Grundwasservorkommen mit grossen Flurabständen weisen normale Grundwasserstände und Quellschüttungen auf, wobei auch hier die Tendenzen mehrheitlich fallend sind.
Herausgegeben am 01.07.2026
Übersicht


Tabelle und Karte der Grundwasserstände und Quellabflüsse vom 01.07.2026
Aktuelle Daten: hydrodaten.admin.ch
Niederschlagsentwicklung
Die quantitativen Grundwasserverhältnisse in der Schweiz stehen in den häufigsten Fällen in engem Zusammenhang mit der kumulierten Niederschlagsmenge der zurückliegenden Monate der jeweiligen Region.
Seit März herrschten niederschlagsarme Bedingungen in der Schweiz vor. Auch der Mai war deutlich zu trocken mit unterdurchschnittlichen Niederschlagssummen besonders in den Regionen Mittelland, Wallis und Alpensüdseite. Anfang Juni folgte eine kühle Phase mit einigen Niederschlägen, welche aber das Niederschlagsdefizit nicht beheben konnten. Eine Gewitterfront brachte am 19. Juni von Luzern bis Zürich extreme Niederschläge in kurzer Zeit. Ab der zweiten Junihälfte setzte eine längere Hochdruckphase ein, die zu ausgesprochen trockenen Bedingungen und einer markanten Hitzewelle führte. In weiten Teilen der Schweiz lagen die Niederschlagsmengen im Juni weit unter dem langjährigen Durschnitt, vor allem in den Regionen Mittelland, Jura, Alpennordhang und Wallis. Die grössten Niederschlagsmengen fielen auf der Alpensüdseite und im Engadin. Der Juni endete mit teils heftigen Gewittern und starken Niederschlägen in allen Regionen der Deutschschweiz.

Niederschlag der letzten zwei Monate in Prozent des langjährigen Durchschnitts 1991-2020
Aktuelle Daten: Niederschlagssummen
Trockenheit
Situation am 15.07.2026
Schweizweit sinken die Grundwasserstände und Quellschüttungen weiterhin. Insbesondere oberflächennahe Grundwasservorkommen weisen niedrige Werte auf, sowohl im Locker- als auch im Festgestein. Lediglich Grundwasservorkommen mit grossen Flurabständen weisen weiterhin normale Grundwasserstände und Quellschüttungen auf, weil sie stark verzögert auf Witterungseinflüsse reagieren. Inzwischen sind jedoch auch hier die Tendenzen fallend.
Weitere Informationen: Grundwasserstände und Quellschüttungen - Nationale Trockenheitsplattform
Typisches Verhalten der Grundwasserstände und Quellabflüsse
Die Reaktion der Grundwasserstände und Quellabflüsse auf Niederschlag und Trockenperioden ist von verschiedenen geologischen, hydrologischen und meteorologischen Faktoren abhängig.
Lockergesteins-Grundwasserleiter ohne Flussanbindung werden vorwiegend durch die Versickerung von Regenwasser gespeist und reagieren deshalb im Allgemeinen rasch auf Niederschlagsereignisse.
In Lockergesteins-Grundwasserleitern mit Flussanbindung speist der Fluss teilweise das Grundwasser, weshalb die Grundwasserstände rasch auf sich verändernde Abflussmengen reagieren. Aus diesem Grund beeinflussen die Niederschlagsverhältnisse sowie die Schnee- und Gletscherschmelze im gesamten Einzugsgebiet des Flusses die Grundwasserstände.
Aus dem saisonalen Abflussverhalten der Flüsse lässt sich für das Grundwasser folgendes allgemeines Muster ableiten:
- In den Lockergesteins-Grundwasserleitern im Mittelland sind die Grundwasserstände generell im März/April am höchsten und im August/September am tiefsten (pluviales Grundwasserregime).
- Die Lockergesteins-Grundwasserleiter in den Voralpen erreichen aufgrund der Schneeschmelze ihren Grundwasserhöchststand generell im März/April und ihren Tiefststand im Winter (pluvio-nivales Grundwasserregime).
- Die Lockergesteins-Grundwasserleiter in den Alpen erreichen ihren Grundwassertiefststand generell im April und ihren Höchststand infolge der Schnee- und Gletscherschmelze im Juni/Juli (nivo-glaziales Grundwasserregime).
- Auf der Alpensüdseite erreichen die Lockergesteins-Grundwasserleiter ihren Tiefststand im Allgemeinen im Februar/März und zwei Höchststände im Mai/Juni sowie im Oktober (pluvio-nivales Grundwasserregime).
Lockergesteins-Grundwasserleiter mit grossem Flurabstand zeichnen sich durch eine langsame und zeitlich verzögerte (mehrere Monate) Reaktion des Grundwassers auf Wetterereignisse aus. Ein grosser Flurabstand besteht dann, wenn der Grundwasserleiter eine mächtige ungesättigte Zone (> ca. 20 m) zwischen Grundwasserspiegel und Terrainoberfläche aufweist.
In Kluft- und Karst-Grundwasserleitern ist die Reaktion des Grundwassers auf sich verändernde Niederschlags- und Schmelzwasserverhältnisse abhängig von der Ausprägung des Kluft- resp. des Karstnetzes (Dichte und Öffnung der Hohlräume). Im Falle von stark zerklüfteten/verkarsteten Grundwasserleitern ist eine rasche Reaktion der Quellschüttung auf Niederschlags- und Schmelzwasserereignisse zu erwarten. Bei nur schwach zerklüfteten/verkarsteten Grundwasserleitern reagiert die Quellschüttung hingegen verzögert und gedämpft.
Das Grundwasserbulletin wird mindestens einmal pro Monat erstellt.
Quelle Grundwasser: Nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA QUANT
Quelle Niederschlag: MeteoSchweiz
