Groundwater bulletin

Schweizweit liegen normale bis hohe Grundwasserstände und Quellabflüsse vor. Die Tendenz ist auf der Alpennordseite und in den Alpen mehrheitlich steigend, auf der Alpensüdseite sinkend. Grund dafür sind die ergiebigen Niederschläge auf der Alpennordseite während der letzten Mai- und der ersten Junitage, während es auf der Alpensüdseite trocken blieb. Insbesondere in der Zentral- und Ostschweiz sind aufgrund dieser Regenereignisse hohe Grundwasserstände und Quellabflüsse zu verzeichnen. Die langsam und verzögert reagierenden Grundwasserleiter zeigen derzeit eine stagnierende bis steigende Tendenz.

Herausgegeben am 05.06.2024

Übersicht

Karte der Grundwasserstände und Quellabflüsse vom 05.06.2024, aktuelle Daten auf hydrodaten.admin.ch

 

Niederschlagsentwicklung

Die quantitativen Grundwasserverhältnisse in der Schweiz stehen in den häufigsten Fällen in engem Zusammenhang mit der kumulierten Niederschlagsmenge der zurückliegenden Monate der jeweiligen Region.

Im April waren die Niederschlagsmengen in vielen Gebieten der Schweiz unterdurchschnittlich. Leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen fielen entlang des östlichen Alpennordhanges und in der Zentralschweiz sowie entlang des Juras. Oberhalb von 700 bis 1000 m ü. M. fielen die Niederschläge oft als Schnee. Der Mai war in den meisten Regionen deutlich nasser als das langjährige Mittel. Insbesondere in den letzten Maitagen fielen in der Deutschschweiz grosse Niederschlagsmengen. Dies führte in den zentralen und östlichen Voralpen zu einer Hochwassersituation. Die Schneefallgrenze lag relativ tief zwischen 1500 und 2000 m. Nach einem nassen Start in den Juni trocknete das Wetter auf den 4. Juni ab.

Niederschlag der letzten zwei Monate in Prozent des langjährigen Durchschnitts 1991-2020

 

Allgemeines saisonales Verhalten der Grundwasserstände und Quellabflüsse

Die Reaktion des Grundwassers auf Niederschlag und Trockenperioden ist von räumlichen und geologischen Faktoren abhängig. Eine schnelle Reaktion ist bei oberflächennahen Grundwasserleitern und insbesondere bei hydraulischer Anbindung an ein Fliessgewässer zu erwarten. Grundwasserleiter mit grossem Flurabstand hingegen reagieren häufig verzögert und gedämpft auf solche Ereignisse.

Lockergesteins-Grundwasserleiter, die an Flüsse mit Einzugsgebiet im Mittelland oder Jura gebunden sind, erreichen entsprechend der saisonalen Niederschlagsentwicklung generell ihren Grundwasserhöchststand im März/April und ihren Tiefststand im August/September (pluviales Grundwasserregime).

Lockergesteins-Grundwasserleiter, die an Flüsse mit Einzugsgebiet in den Voralpen gebunden sind, erreichen entsprechend der saisonalen Niederschlagsentwicklung sowie der Schneeschmelze generell ihren Grundwasserhöchststand im März/April und ihren Tiefststand im Winter (pluvio-nivales Grundwasserregime).

Lockergesteins-Grundwasserleiter, die an Flüsse mit Einzugsgebiet in den Alpen gebunden sind, erreichen ihren Grundwassertiefststand generell im April und ihren Höchststand infolge der Schnee- und Gletscherschmelze im Juni/Juli (nivo-glaziales Grundwasserregime).

Lockergesteins-Grundwasserleiter, die an Flüsse mit Einzugsgebiet auf der Alpensüdseite gebunden sind, erreichen den Grundwassertiefststand im Allgemeinen im Februar/März und zwei Höchststände im Mai/Juni sowie im Oktober (pluvio-nivales Grundwasserregime).

Lockergesteins-Grundwasserleiter ohne Flussanbindung mit geringem Flurabstand reagieren im Allgemeinen rasch auf sich verändernde Witterungsverhältnisse.

Lockergesteins-Grundwasserleiter ohne Flussanbindung und mit hohem Flurabstand reagieren langsam und zeitlich verzögert.

Kluft-Grundwasserleiter reagieren im Allgemeinen eher langsam auf sich verändernde Niederschlagsverhältnisse.

Karst-Grundwasserleiter zeichnen sich durch eine rasche Infiltration und einen schnellen unterirdischen Grundwasserfluss aus; sie reagieren deshalb kurzfristig auf Niederschlagsereignisse. Abflussschwankungen der Karstquellen hängen von der Niederschlags- und Schneeschmelzsituation der zurückliegenden Tage ab.

 

Das Grundwasserbulletin wird einmal pro Monat erstellt.

Quelle Grundwasser: Nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA QUANT
Quelle Niederschlag: MeteoSchweiz